Immer wieder werde ich nach meiner Meinung zum Thema „kann ich mein Haus auch mit einer Splitklima heizen?“ gefragt.
Jetzt hat auch Andreas Schmitz (Der Akku Doktor) auf Youtube ein Video reingestellt in dem er von lufterwärmenden Heizsystemen schwärmt.
Warum fühle ich mich befähigt meinen Senf niederzuschreiben?
Seit etwa vorgestern habe ich mit Wärmepumpen zu tun. Habe schon ein paar vom Weitem gesehen und die eine oder andere schon mal angefasst. Das Fernsehen möge mich als „Experten“ zum netten Talk einladen.
Brauchwassererwärmung
Als erstes das einfachste Thema. Hat man keine wasserführende Heizung und sind mehr als 2-3 Personen im Haushalt, ist eine Brauchwasserwärmepumpe (BWWP) ideal.
Hat man eine wassergeführte Heizung kann man auch mit der Heizungswärmepumpe das Brauchwasser erwärmen.
Sind weniger als 3 Personen im Haushalt, kann man sich überlegen, ob eine Brauchwassererwärmung mit einem Durchlauferhitzer günstiger ist.
Der Unterschied
Ein luftführendes Heizungssystem wie eine Splitklima heizt direkt die Luft auf. Die warme Luft wird dann mittels Ventilator im Raum verteilt. Man kann die Luft auch an zentraler Stelle erwärmen und dann über Luftkanäle in die Räume führen.
In einem wasserführenden Heizsystem wird Heizungswasser von der Wärmepumpe erwärmt. Dieses Wasser wird dann in den Heizrohren zu den einzelnen Räumen geführt und dort erwärmt das Heizungswasser die Luft. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten wie das Heizungswasser den Raum erwärmen kann:
- Heizkörper : Wärme durch Konvektion (Luftbewegung)
- Flächenheizung : Wärme durch Strahlung und Konvektion
- Fancoils : Wie Heizkörper nur auch für Niedertemperatur im Heizungswasser geeignet
Jetzt kommt meine Meinung
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass mir und vielen Gesprächspartnern die Strahlungswärme angenehmer ist als von warmer Luft umströmt zu werden.
Diese Strahlungswärme lässt sich mit normalen Splitklimas die einen Raum erwärmen kaum realisieren.
Mit einer wasserführenden Heizung, ist es ganz einfach, beim Bau oder nachträglich, eine wärmestrahlende Flächenheizung zu erstellen.
Praxisbeispiele
Aus dem eigenem Leben werde ich Beispiele nennen, die aufzeigen sollen, warum ich Splitklimas einsetze und eine wasserführende Heizung einbauen werde.
Beispiel 1: Ferienhaus
Dieses Haus wurde in einem desolaten Zustand übernommen. Die Heizung bestand dort aus einem Kaminofen in einem Zimmer und der Hoffnung, dass die Wärme aus diesem Zimmer die anderen Zimmer erreicht und wohl temperiert.
Ein wasserführendes Heizsystem in Form von Kupferrohr in Estrich im EG wurde damals eingebaut aber nie in Betrieb genommen. Ausgelegt war dieses System mit einem Heizstab mit Pumpe erwärmt zu werden. Scheinbar waren die Stromkosten damals geringer.
Um dort zeitweise leben zu können und damit nicht alles wieder einfriert und auffriert, musste eine schnelle Lösung gefunden werden. Am einfachsten war es also zwei Splitklimas, je eine im EG und OG, einzubauen.
1 Tag Arbeit und das Haus hatte eine Heizung.
Das Haus ist aufgebaut aus Porenbetonsteinen. Diese, einmal aufgewärmt, halten die Wärme im Raum und bieten eine warme Wand. Wäre nicht das Geräusch des Lüfters und der doch von einigen wahrnehmbare Luftzug, könnte man dieses Heizsystem belassen.
Leider ist es so, dass auch die Wärme aus dem Wohnzimmer im EG und dem Flur im OG, nicht immer motiviert ist in das Bad im EG zu wandern. Deshalb ist das Bad EG mit Wärme unterversorgt. Der Luftzug und die nachts besonders wahrnehmbaren Lüftergeräusche, verlangen einen Einbau einer wasserführenden Heizung.
Diese wird realisiert durch eine Deckenheizung im Trockenbau im EG und OG. Im EG versuche ich noch die vorhandene Fussbodenheizung unterstützend in Betrieb zu nehmen.
Im OG wird auch im Trockenbau eine Deckenheizung auf der Schrägdecke realisiert. Für den Einbau einer FBH fehlt mir etwas Motivation. Im OG sind vor allem Schlafräume. Dort ist keine so große Raumwärme notwendig.
Die Splitklimas verbleiben. Diese wurden mit viel Liebe an der zum Wald zeigenden Wand befestigt und ein Abbau würde die Wand verschandeln.
Angedacht ist es das Haus mit einer 9kW K Generation Wärmepumpe zu beheizen. Weil das Haus nicht ständig bewohnt ist, soll das Brauchwasser mittels Frischwasserstation erwärmt werden.
Beispiel 2: Renovierungsobjekt Wohnhaus
Eine Baustelle eines EFH mit bereits vor Jahren ausgebauter Ölheizung muss irgendwie auf Temperatur gebracht werden. Es wurden drei Räume auserkoren, die beheizt werden sollen. Die schnellste Möglichkeit: 1 Tag Arbeit und 3 verbaute Splitklimas beheizen diese Räume.
Auch wenn hier niemand dauerhaft wohnt ist es sehr unangenehm die ständigen Lüftergeräusche zu haben. Jetzt wo es Draußen kalt ist, gibt es auch viele Abtauvorgänge. Jeder Abtauvorgang dauert 5-6 Minuten. In dieser Zeit ist der Lüfter der Inneneinheit aus. Die Außeneinheit dreht hoch und taut ab. Die Abtauenergie kommt vom Verdichter (Strom) und man merkt wie die Zuleitungen gefrieren.
Wegen der schlechten Isolierung der Wände und Decken merkt man jeden Abtauvorgang, da die Temperatur merklich sinkt.
Wäre das Haus fertig saniert und energetisch ertüchtigt, dann würde die Raumtemperatur nicht merklich während der Abtauvorgänge abfallen. Trotzdem bleibt das Lüftergeräusch, das Geräusch des Kältemittels beim Abtauen, die fehlende Strahlungswärme.
Würde man alle Räume mit Splitklima beheizen wollen, wäre natürlich in jedem Raum eine Inneneinheit und an der Wand eine Außeneinheit notwendig. Oder man investiert in ein Multisplitsystem wo eine Außeneinheit 4-5 Inneneinheiten versorgt.
Gerade wo ich die Zeilen tippe hat ein Abtauvorgang begonnen. Der Lüfter ist endlich kurz aus. Dafür gab es kurzzeitig pfeifende Kältemittelgeräusche. Jetzt knapp 30 Sekunden später hört man den Verdichter hochlaufen und das Kältemittel rauscht durch die Leitung. Das höre ich nur, weil es nicht möglich war die Kältemittelleitungen direkt durch die Wand nach Draußen zu verlegen.
Die Pläne für die Zukunft sehen vor in jedem Raum eine Flächenheizung in Form einer Fußbodenheizung zu realisieren. Wo es geht wird eine Wandheizung eingebaut. Im OG wird die Schrägdecke im Trockenbau als Flächenheizung realisiert. Dieser kann dann im Sommer auch zur „Verhinderung der übermäßigen Aufheizung“ (= temperieren mit Heizungswasser welches den Taupunkt nicht unterschreitet) verwendet werden.
Splitklimas werden wahrscheinlich nicht eingebaut. Eher entscheide ich mich für eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit einem Wärme/Kälteregister.
Als Wärmepumpe habe ich die neue Superleise 9kW K Generation auserwählt.
Fazit
Ich werde weder Andreas Schmitz noch seine 1500 von Splitklimas begeisterte versuchen von ihrem Weg abzubringen.
Werde aber aufgrund meiner eigenen Erfahrungen diese Lösung niemandem der mich fragt empfehlen.
